Predigt vom 27.05.12

Pfingsten
1. Korinther 2,9.12-16

»Mehr als die Hälfte der Deutschen (53 Prozent) weiß nicht, warum Pfingsten gefeiert wird. In einer repräsentativen Umfrage sagten 15 Prozent, Pfingsten sei Jesus auferstanden. Jeder achte Deutsche (zwölf Prozent) ist der Meinung, die Pfingstfeiertage gingen auf Mariä Himmelfahrt zurück. Fast ein Viertel (22 Prozent) hatte überhaupt keine Ahnung. Vier Prozent sind der Meinung, dass Jesus Pfingsten gekreuzigt wurde. Immerhin wusste knapp die Hälfte (47 Prozent) der Deutschen die richtige Antwort: Zu Pfingsten, 50 Tage nach Ostern, wurde den Jüngern der Heilige Geist gesandt, um das Evangelium zu verbreiten.«

Ich nehme an, Sie gehören zu diesen 47 Prozent, die es wissen. Plakativ hätten Sie antworten können: Christen feiern den Geburtstag der Kirche Jesu Christi – feiern das Fest des Heiligen Geistes – feiern »Pentecoste«, also den ›50.‹ nach Ostern. (Punkt, fertig).

Zum Pfingstfest nun der Predigttext aus 1. Korinther 2 (die Verse 9.12-16): …

Liebe Gemeinde!

Vielleicht erwartet jemand heute Morgen eine geistvolle, geistreiche, eine flammende Pfingstpredigt – eine Predigt, die zu Herzen geht und wahrlich Begeisterungsstürme auslöst, die erfüllt ist von der Geistesgegenwart Gottes, von Seiner Vollmacht: doch wie mag das angehen bei solch einem Predigttext??

Knochentrocken und intellektuell-spröde wirken diese Paulus-Worte, auf Anhieb schwer zu verstehen.

Keine Rede vom Pfingstwunder, von den Feuerflammen, von dieser überschäumenden Freude, die damals wie ein Lauffeuer um sich griff und das Wunder von Kirche auslöste. Stattdessen – trockene Gegenüberstellungen: zum einen ist da die Rede vom »Geist der Welt« und vom »Geist aus Gott« – zum anderen: »der geistliche Mensch« und »der natürliche Mensch«: Wie nur soll man das verstehen?

Vom Sprachgebrauch her kennen wir die Bezeichnungen »Hochwürden« bzw. »Geistliche«. Meint Paulus sie, wenn er von »geistlichen Menschen« spricht? – Sicher meint er sie auch, aber nicht nur sie! ›Geistliche‹ sind doch alle, die vom Geist Gottes begeistert sind!

// Die ersten Christen in der Hafenstadt Korinth, sie behaupteten kühn und keck: »Wir haben den Geist Gottes!« Sie reden in Zungen, feiern das Mahl des Herrn als Himmelsspeise, sehen sich durch Gottes Geist bereits als vollkommene Geschöpfe, als »neue Menschen«, dieser Erde mit all ihren Krisen und Konflikten längst entrückt!

›Moment mal‹, höre ich den Zwischenruf des Paulus! ›Geistlich ist, wer weiß, was er von Gott empfangen hat – wer weiß, dass ihm alles Wesentliche in seinem Leben von Gott geschenkt ist. Weise ist, wer weiß, dass Gott allein der Geber seines Lebens ist – dass Gott allein ihm die nötigen Lebenskräfte gibt, dass von Gott allein alles abhängt – dass ich Gott entgegenlebe und eines Tages werde antworten müssen!

›Geistlich‹ oder ›weise‹, diese Worte bezeichnen nicht ›eine intellektuelle Kanone‹, den Alleswisser oder den Besserwisser, nein, sondern den Menschen, der weiß, dass er sein Leben allein Gott verdankt und dass es nur gut ist, sein Leben auf Gott hin auszurichten!

»Der natürliche Mensch« dagegen weiß das nicht. »Der natürliche Mensch«, ist das der neuzeitliche ›Heide‹, von denen es mehr als genug gibt?? Nun denn, »der natürliche Mensch« meint, er selber müsse der Macher seines Lebens sein – er selber müsse sein Leben in die eigene Hand nehmen – er selber müsse ›seines eigenen Glückes Schmied‹ sein, er selber hätte alles in der Hand, alles im Griff … »Der natürliche Mensch« braucht natürlich keinen Gott, keinen Glauben, kein Gebet, keinen Heiligen Geist und keinen Gottesdienst – »der natürliche Mensch« erachtet dies alles als »Torheit«, als ›Humbug‹ und als Unsinn, als pure Zeitverschwendung. Ahnt »dieser natürliche Mensch« eigentlich etwas davon, in welcher Torheit er sich verliert??

Gott hat Seinen Heiligen Geist ausgegossen und in die Herzen von Menschen gegeben: seither gibt es »Geistliche«! Und das hat Folgen für unser Leben / das wirkt sich aus! Denn dieser Heilige Geist schafft in mir so etwas wie ein Grundvertrauen in Gott – so etwas wie eine großartige Gelassenheit, wonach ich weiß, dass Gott schon für mich sorgt – und die feste Gewissheit, dass ich schon wer bin, dass ich geachtet und wertvoll bin!

– Liebe Leute, vor Gott bin ich bereits wertvoll ohne jegliche Vorleistung meinerseits, ohne auch nur irgendetwas geleistet zu haben! Hören wir dies, wir in unserer sog. Leistungsgesellschaft, in der scheinbar nur Leistung zählt?? – Mein Wert vor Gott bleibt sogar bestehen, auch wenn ich nichts mehr leisten kann / auch wenn ich krank bin, niedergeschlagen, schwach oder gebrechlich, alt. Dieser Heilige Geist Gottes wirkt in mir so etwas wie eine gewisse Leichtigkeit / so etwas wie eine größere Freiheit / so etwas wie ein weit geöffnetes Herz voller Zuversicht! Irgendwann dann merke sogar ich: Ich reagiere immer weniger rechthaberisch und gereizt, immer weniger verbiestert und verkrampft und verärgert, immer weniger geistlos-verbohrt, engmaschig-kleinlich, herz- und lieblos. Irgendwann muss doch selbst ich es merken (!): Der Heilige Geist arbeitet in mir, ist längst in mir am Werk und macht mich immer mehr zu einem neuen Menschen, zu einem Menschen ganz anderer Art! Dann muss ich nicht mehr alles haben, dann muss ich nicht mehr nach allem gieren, alles an mich raffen, allem nachjagen – nein, dann gewinne ich soz. eine höhere Warte und werde souveräner in meiner Lebensweise! Dann entwickelt sich in mir so etwas wie »die königliche Freiheit eines Christenmenschen«!

Diese Erfahrung aber, die ist Geschenk: Gottes Geschenk an mich!

Diese Erfahrung macht zu Geistlichen! Und deshalb erlaube ich mir zu sagen – statt: ›liebe Gemeinde‹ – ›liebe Geistliche‹! Freut euch über die Kraft des Heiligen Geistes, die in euch am Werke ist – freut euch über das Urvertrauen in Gott – freut euch, dass Gott euch nicht lässt ohne Seinen Mut- und Muntermacher, ohne Seine Heilige Macht als Tröster und Beistand! Auch bei allem, was auf eueren Schultern lastet / auch bei allem, was sich in eure Seelen eingekerbt hat: Ihr habt allesamt ganz viel Grund, munter und fröhlich, heiter und humorvoll, zufrieden und zuversichtlich zu sein, liebe Geistliche!

Amen.