Predigt vom 24. Dezember

Christmette
Jesaja 9,1.5

Diese Nacht, liebe Gemeinde, ist anders als andere Nächte. Diese Heilige Nacht, in der der Himmel über uns offen steht / in der Gott jedem von uns ganz, ganz nahe kommen will! / Diese Nacht, die erfüllt ist vom Frieden Gottes und von Seiner Freude. / Dieser Friede Gottes will uns alle erreichen und bewegen. Keiner soll unberührt bleiben, keiner unberührt von dannen ziehen. Gott will jeden einzelnen von uns in Seinen tiefen Frieden hineinziehen …: was auch vorher war / wie aufgescheucht sich auch jemand fühlen mag / selbst wenn da Ärger in einem nachwirkt und wir noch gar nicht recht auf Weihnachten eingestimmt sind … Selbst wer sich wie ausgebrannt vorkommt, leer, traurig, einsam / selbst wer seine Mühe hat, in dieser Welt mit all ihren Schrecken an Gott zu glauben / auch wer lange nicht in der Kirche war: Keiner sei heute Abend hier, der von Gottes Botschaft nicht berührt und verändert wird – keiner sei hier, der nicht die Wärme der Botschaft spürt, dass Gott jeden von uns in Seinen Frieden hineinnehmen und mit Seiner großen Liebe beschenken will!

›Du, hör zu und lass Dir´s sagen: Du sollst von Gott her ein froher und glücklicher Mensch werden, ein Mensch voller Zuversicht!‹

Worte aus dem Prophetenbuch Jesaja für heute Abend – aus Jesaja 9, zunächst Vers 1:

»Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht – und über denen, die im Land der Finsternis wohnen, scheint es hell!«

Diese großartige Vision, mehr als 2.700 Jahre alt, stammt vom Propheten Jesaja, aus dem Alten Testament – Christen nun haben diese Vision auf Jesus Christus bezogen, genauso den Vers 5, wenn es da heißt:

»Uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf Seiner Schulter. Man nennt ihn: ›Wunderbarer Ratgeber / starker Gott / Vater in Ewigkeit / Fürst des Friedens!‹«

Wohlgemerkt: diese Vision wird in dunkler Zeit geboren. Aber – diese Vision reißt heraus aus dem Dunkel, weckt Hoffnung und frischen Lebensmut! Die Zukunft sah düster aus, doch genau vor diesem Hintergrund entwickelte Jesaja seine Vision! Er sieht Gott eingreifen, er sieht Gott alles zum Guten wenden!

Viele Menschen wissen, was das bedeutet: »im Finstern wandeln«.

Manch einer kennt ›das Tal der Tränen‹. Wenn da jemand mutterseelenallein dasteht, niemanden hat und das heute Abend besonders spürt / wenn da jemand um seinen Arbeitsplatz fürchtet oder ihn gar verloren hat / wenn da die Ehefrau einen anderen hat / wenn da jemand den Kopf in den Sand steckt und nicht mehr weiter weiß …

Menschen in anderen Ländern dieser Erde: im Nahen und Mittleren Osten, in Israel und in Ägypten, im Iran und im Irak, in Pakistan und in Afghanistan: mit sorgenvollen Blicken in die Zukunft …: sie alle möchten sich anstecken lassen vom »Friedenslicht aus Bethlehem«! – Menschen auch hier in Achern, in deren Leben es trotz all der vielen Lichter draußen nicht heller und wärmer und freundlicher wird …: sie möchten sich anrühren lassen von diesem »Friedens-licht aus Bethlehem«!

Liebe Leute, Weihnachten heißt nicht: ›alles okay‹ / ›alles gut‹ / ›heile Welt‹ / ›eitel Sonnenschein‹ / alle Risse und Spannungen, alle Krisen und Konflikte: einfach gelöst … Weihnachten heißt: Gott kommt in diese unweihnachtliche Welt, in diese friedlose Welt: mit Seinem Frieden, in diese freudlose Welt: mit Seiner Freude, in diese unruhige Welt: mit Seinem Stillschweigen.

Weihnachten heißt: Gott nimmt meine Dunkelheit nicht einfach weg, nein – aber ER kommt mitten hinein in meine Dunkelheit und zündet Hoffnungslichter an! Gott sagt dir heute Abend durch mich hindurch auf deinen Kopf zu: ›Dir soll geholfen werden! Du sollst aufleben und dich von Herzen freuen. Durch Jesus Christus soll es in dir heller und wärmer und freundlicher werden!‹

Augenblick noch, eine Frage noch: Was erwarten Sie eigentlich von Weihnachten? – Berge von Geschenken, Berge von Geschenkpapier? / Strahlende, leuchtende Kinderaugen? / Wenigstens für ein paar Stunden heile Welt in der Familie? / Zeit zum Verschnaufen, bis die ›Tretmühle‹ wieder anläuft? / Bis der Alltagstrott Weihnachten schnell wieder vergessen lässt? – Erwarten Sie, dass Gott in diese Welt einkehrt und sogar in Ihr eigenes Leben, dass ER eingreift und verändert, dass ER Schwung in Ihr Leben bringt und ein Herz für andere? – Oder halten Sie die biblische Botschaft für ein vielleicht noch wohlklingendes, aber im Grunde leeres Wortgeklingel?? / Vielleicht gerade noch gut für Gottesdienste wie diesen, aber nicht gut genug für das Leben draußen im Alltag der Welt??

Liebe Leute – Gott fragt nicht groß daher, Gott schafft Fakten!

ER bricht ein, um bei uns Menschen zu sein! ER überlässt die Welt und dich nicht sich selber. Gott greift ein: helfend, heilend, rettend, befreiend! Gott kommt soz. ›auf leisen Sohlen‹, durch ›die Hintertür der Welt‹ auf geheimnisvoll-wunderbare Weise, ausgerechnet in einem schwachen, hilflosen Kind! Doch dieses Kind verändert die Welt und die Herzen von Menschen. Dieses Kind weckt die uralte Sehnsucht, die genauso unsere Sehnsucht ausmacht: die Sehnsucht nach Freude und Harmonie, nach Licht, nach Wärme und Güte und Liebe unter den Menschen – die Sehnsucht nach Verständnis, nach Herzlichkeit und Zärtlichkeit – die Sehnsucht: »es wird nicht dunkel bleiben …«

Ja, Weihnachten heißt: ›Es wird nicht dunkel bleiben / es soll auch nicht dunkel bleiben über denen, die im Dunkeln sitzen, also in Angst und Sorge, in Krankheit und Schmerzen, in Zweifel und Gefahr.‹ Zum Glück ist das so: »Gott lässt uns nicht in den Finsternissen steh´n«, ›Gott gibt die Welt und uns Menschen nicht verloren!‹ Gott eröffnet uns eine Zukunft, die auch am Ende unseres Lebens kein Ende hat! Darum: »Freuet euch, ihr Christen alle / freue sich, wer immer kann / Gott hat viel an uns getan!«

Amen.

Hans-Gerd Krabbe