Predigt vom 09.04.12

Ostern
1. Korinther 15,50-58

Gnade sei mit uns und Friede:

von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus! Amen.

Aus dem berühmten 1. Korintherbrief des Apostels Paulus, Kap. 15, die Verse 50-58: …

Liebe Gemeinde!

»Auferweckung der Toten« …: naturwissenschaftlich nicht zu beweisen (dafür fehlen schon allein die nötigen Kategorien) – »Auferweckung«: im Grunde für unsere Sinne unfassbar / schwer zu glauben / Menschen heutzutage kaum noch zu vermitteln – und dennoch das Herzstück unseres christlichen Glaubens! Die geheime Mitte! Die sprudelnde Kraftquelle! Damit steht und fällt christlicher Glaube: »Wäre Christus nicht auferweckt worden, so wäre unser Glaube nur eine Illusion und wir selbst: wir wären betrogene Betrüger! Nun aber ist (!) Christus auferstanden!« Halleluja!
Da verwandelt sich also ein toter Mensch auf wundersame Weise in eine Art feinstofflicher, höherer Leiblichkeit, geht durch Mauern und Wände – und bietet schließlich diesem einen Jünger namens Thomas auch noch an, seine Hände in seine Nägelmale zu legen. …: das ist schon stark! Aber wie schwach dagegen ist, all dies, was damals wundervoll geschah, lediglich als fromme Einbildung abzutun, so, als hätten sich die Jünger damals all das nur so ausgedacht: das ist schon äußerst schwach – das wird selbst derjenige einräumen müssen, der rein historisch und rein verstandesmäßig die Osterzeugnisse liest …

Über 500 Brüdern auf einmal ist der auferweckte Christus erschienen (nach 1. Kor. 15,6): nun aber zu behaupten, diese 500 Männer (wie viele Frauen noch dazu gezählt werden müssten, bleibt offen) / also: zu behaupten, diese 500 Männer wären einer ›Fata Morgana‹ aufgesessen, einer frommen Selbst-täuschung erlegen und sie hätten ihr kritisches Denkvermögen komplett ausgeschaltet, all das dürfte wohl nicht überzeugen, sondern in Abrede zu stellen sein. Liebe Leute, es führt wohl kein Weg daran vorbei, die Auferweckung Jesu Christi als Wunder einfach gelten zu lassen! Warum tun wir es dann nicht? / Warum freuen wir uns so wenig darüber? / Warum trauen wir Gott nicht Großartiges zu??

Voller Temperament und Leidenschaft, voller Gewissheit steht da ein Paulus hin. Er versteckt sich nicht / er riskiert es, nicht nur mitleidig angelächelt, sondern sogar bedrängt zu werden – aber seine Überzeugung steht: ›Christus ist auferweckt, Er lebt! Und wir sollen auch leben! In Ewigkeit leben! Gott hat grundlegend Neues geschaffen!‹ Und weil das so ist, darum gilt Folgendes: »Wir werden verwandelt werden. Das Verwesliche wird anziehen die Unverweslichkeit, und das Sterbliche muss anziehen die Unsterblichkeit! Der Tod ist verschlungen in den Sieg! Tod, wo ist dein Stachel?

/ Hölle, wo ist dein Sieg??«

Spüren wir es, wie sich der Paulus lustig macht? Wie er den Tod auslacht, ja verspottet und verhöhnt? »Wer zuletzt lacht, lacht am besten!«, könnte Paulus all denen entgegenhalten, die ihn zunächst auslachten. Denn der Tod hat ausgespielt, hat die entscheidende Macht verloren, es gibt ein Danach: nämlich Gottes neue Welt! Gott sei Dank!

Es ist nicht unsere Lebensart, auf dem frischen Grab eines Mitmenschen Freudentänze hinzulegen – aber die Frage sei erlaubt: Wo denn bleibt die Auferweckungshoffnung, wenn wir dem Tod begegnen und Abschied nehmen müssen? Meine Frage lautet, ob wir bei aller Trauer und bei allem Schmerz nicht zu stark auf den Tod allein fixiert sind und darüber die Auferweckungs-zukunft vergessen oder gar ersticken! Mit dem Tod ist von Gott her doch eben nicht alles aus! Der Tod markiert doch eben nicht den Schlusspunkt, sondern den Doppelpunkt: ungeahnt Neues beginnt nach meinem Erdentode – Gott sei Lob und Dank!

Mit meinen Fragen will ich das Gewicht und den Ernst des Todes keinesfalls verharmlosen (wie schlimm der Tod ist, das müssen Sie mir nicht erzählen) – aber dieses andere, das gehört doch unbedingt dazu! Das, was Gott denen bereithält, die hier auf Erden an IHN glauben!

– Von einem lieben Mitmenschen kann ich doch nur Abschied nehmen und meinem eigenen Tod kann ich doch nur entgegenleben, wenn diese Hoffnung in mir mächtig ist! Oder (?): wollen Sie etwa weiterleben ohne Glauben, ohne diese großartige Hoffnung?? / In der Meinung, das hier auf Erden, das sollte schon alles gewesen sein? ›Hinein ins Grab, Erde drauf, das war´s?‹ Liebe Leute, wenigstens von Gott aus ist das zu wenig! Von Gott aus lässt sich sagen: »Horch, das Beste kommt erst noch!«

Vielleicht verstehen Sie, wenn ich betone: Menschen ohne diesen Glauben / Menschen ohne diese verwegene Hoffnung sind arm dran (mögen sie ansonsten noch so reich sein!

Leidenschaftlich also, voller Temperament, voller Überzeugungskraft streicht Paulus heraus: »Nun aber ist Christus auferweckt von den Toten und der Erstling geworden unter denen, die da schlafen / die gestorben sind!« Dieses zu wissen, steht für Paulus fest. Das verleiht seinem Leben eine starke Gelassenheit / damit kann er zuversichtlich leben und eines Tages getrost sterben!

·Singen wir das Lied 99: »Christ ist erstanden!«

Dieses alte Lied – für mich ist es so etwas wie ein »Protest-song«. Ein Protestlied für das Leben und gegen den Tod.

Ein Protest für den Gott, der unser Leben will selbst über den Tod hinaus! Im Glauben an IHN darf ich wissen: Am Ende meines Lebens steht nicht das Ende, sondern: der Vollender / nicht der Tod, sondern der Sieg Gottes / nicht die Hölle, sondern die Herrlichkeit Gottes.
»Mitten im Leben sind wir vom Tode umfangen«: dieser eine biblische Satz müsste ergänzt werden – dahingehend: ›… und mitten im Tode sind wir vom Leben umfangen!‹ Mein Leben ist also kein Fall nach unten in die ewige Versenkung oder in die ewige Verdammnis – nein, sondern Aufstieg und Heimkehr zu Gott! Dies zu wissen, tut gut!
»Christus ist auferweckt«: Wie das geschehen konnte, das weiß ich genauso wenig – wie es geschehen wird, wenn ich nach meinem Erdentode verwandelt werde für die Zeit bei Gott. Aber nichts wäre einfacher, als zu sagen: ›Weil ich es mir nicht vorstellen kann, darum kann ich es nicht glauben!‹

Wie Jesus von Gott aus dem Tode auferweckt wurde, das konnte schon damals nicht erzählt, geschweige denn beschrieben und erklärt werden. Daran vergreifen sich die biblischen Autoren mit keinem einzigen Wörtchen, dazu geben sie sich nicht her! Aber dass Auferweckung geschehen war, das konnte und musste erzählt werden / das mussten alle Menschen erfahren / und das müssen auch heute alle Menschen erfahren!

Viel zu viele Menschen sterben ohne diese Hoffnung! Auch deshalb, weil Christenmenschen mit dieser lebenswichtigen Botschaft ›hinterm Busch halten‹ und es nicht wagen, damit herauszurücken und weiterzuerzählen! Warum so zurückhaltend, warum so furchtsam? Warum so wenig überzeugt und überzeugend? Dürfen Sie Ihren Angehörigen die Osterbotschaft überhaupt schuldig bleiben? Wenn Sie wirklich glauben, dann müssen Sie es doch weitermelden – sonst stimmt da etwas nicht!

Die Auferweckung Jesu Christi war auch für Menschen damals höchst unbegreiflich, ja, Furcht und Zittern ergriff sie, als ihnen der auferweckte Christus erschien. Doch es blieb nicht bei der Furcht. Freude kehrte in ihnen ein / eine Freude, die nicht erklären konnte, aber auch nicht erklären wollte, wie Christus auferweckt worden war! Hauptsache: Er war auferweckt! / Hauptsache: Wir haben eine Zukunft und werden am Tage X ebenfalls auferweckt!

Am Schluss von 1. Kor. 15 schreibt Paulus: »Seid fest, seid unerschütterlich im Glauben, nehmt immer mehr zu in dem Werk des Herrn, weil ihr wisst, dass eure Arbeit nicht vergeblich ist im Herrn!«

Das wünsche ich Ihnen, dir und mir: den Glauben an die Auferweckung, die Freude darauf und dieses »Seid fest«: ›Seid fest verwurzelt in diesem österlichen Glauben, allen Spöttern mal keck und munter zum Trotz.

Nehmt zu im Glauben an Gott und in den Werken der Nächstenliebe. Denn euer Glaube und euer Tun ist alles andere als umsonst, alles andere als vergeblich! Euer Glaube wird belohnt, gekrönt, vollendet!‹

Amen.

Hans-Gerd Krabbe