Pfingsten 2019: Johannes 14,23-27a

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Kraft Heiligen Geistes sei mit uns allen! Amen.

… die meisten unter uns wissen, was das ist: ein Testament. Einige von uns haben wohl schon erste Überlegungen in dieser Richtung angestellt, in einer ›stillen Stunde‹ etwa – andere haben ihr Testament bereits gemacht. Manch einer hat auf diese Weise Vorsorge getroffen für seinen Todesfall und entschieden, was ›sein letzter Wille‹ ist. Manch einer wird in guten Tagen mit dem Ehepartner und mit den Kindern darüber sprechen, was am Tage X geschehen und beachtet werden soll. Ältere Menschen schreiben ihr Testament, aber auch jüngere sollten dies tun: wir alle wissen ja nicht, wann unsere Stunde kommt …

Dinge, die zu klären und zu regeln sind (damit es keinen Streit in der Familie gibt, keinen ›Erbfolgekrieg‹) / Worte der Liebe und des Dankes, Worte der Entschuldigung und des Verzeihens, Worte des Trostes / Bibelworte und Lieder für die Bestattung: dies alles kann in einem persönlichen Testament enthalten sein …

Gut dreißig Jahre alt war Er, als Er sein Testament machte und damit ausdrückte, was sein Wunsch und Wille war für die Zeit danach. Hören wir Sein Testament – aus den so genannten Abschiedsreden, aus Johannes 14 (23–27), Jesu Worte:

»Wer mich liebt, der wird mein Wort bewahren, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen. Wer aber mich nicht liebt, der bewahrt meine Worte nicht. Doch das Wort, das ihr hört, ist nicht mein Wort, sondern das des Vaters, der mich gesandt hat. Das habe Ich euch gesagt, als Ich bei euch war. Der Fürsprecher aber, der Tröster, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird: er wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was Ich euch gesagt habe. Frieden lasse Ich euch, meinen Frieden gebe Ich euch. Nicht einen Frieden, wie die Welt gibt, gebe Ich euch. Euer Herz erschrecke nicht und verzage nicht!«

 

Von GOTT geliebte Gemeinde!

Das also ist das Testament Jesu Christi an seine Jünger und an seine Nachfolger: »Wer mich liebt, der wird mein Wort halten« – »Ihr bleibt nicht allein zurück, wenn Ich auch von euch gehe: denn GOTT wird euch den Tröster, den Heiligen Geist, senden!« – und: »Meinen Frieden gebe Ich euch! Euer Herz erschrecke nicht und verzage nicht!«

Das ist alles, was Jesus seinen Nachfolgern überlässt! Nichts, was man da vorweisen könnte: kein Erbstück, kein Möbelstück, kein Souvenir. Ohne irgend-etwas Greifbares, ohne irgendetwas Handfestes in den Händen: vollkommen blank stehen die Jünger da! Mit leeren Händen! Nur Eines erhalten sie, und das hat es in sich – die Zusage: GOTT wird auch weiterhin bei euch sein: mit Seiner Kraft, mit Seiner Hilfe, mit Seinem Frieden, mit Seinem Trost! ER / unser GOTT / der Heilige, gelobt sei ER! ER wird euch begleiten, euch führen und leiten, zu euch sprechen durch die Bibel! ER / unser Gott belebt und begeistert euch, gibt euch die nötigen Lebenskräfte / gibt euch all das, was ihr wirklich braucht!

Mehr als diese Zusage erhalten auch wir nicht. Aber diese Zusage hat es in sich! Diese Zusage hat Menschen bis heute angetrieben, beflügelt, motiviert – und vieles aushalten lassen! Diese Zusage Christi: GOTT bleibt bei euch / GOTT ist in dir, unter dir, über dir am Werk – diese Zusage hat Kirchengeschichte geschrieben über fast zweitausend Jahre hinweg! Denn was damals mit Christi Worten anfing, das ist doch bis heute nicht zum Stillstand gekommen! Blicken wir nach China, nach Süd-Korea, nach Süd-Indien, wo Kirche wächst und aufblüht und wo sich immer mehr Menschen zu Jesus Christus bekennen als ihrem Herrn und Heiland! – Und hier in Achern? Sage doch keiner, dass Kirche hier bei uns verstaubt, verschlafen oder gar ausgestorben sei! / Sage einer doch ruhig einmal nach draußen, dass sich hier in der Christus-Gemeinde eine lebhafte, muntere, fröhliche, engagierte Zahl von Christen sammelt! ›Christus-Achern‹ – da geschieht etwas: etwas zum Lobe Gottes und zum Wohle der Mitmenschen!

Allen Unkenrufen zum Trotz / allen Behauptungen zuwider, die da weiß- machen wollen: das Christentum sei out …: Bis heute ist es so, dass Menschen zum Glauben finden, im Glauben wachsen, Halt und Orientierung finden und darüber froh werden! / Bis heute ist es so, dass viel mehr Menschen in die Kirchen zum Gottesdienst gehen als Fußball-Fans in die Fußballstadien! / Bis heute ist es so, dass Menschen gern zum Gottesdienst kommen und hier in der Gemeinde Heimat finden! / Bis heute ist es so, dass Menschen hier in diesem Gotteshaus frischen Mut fassen, dass sie hinausgehen im Segen Gottes mit neuer Zuversicht, dass sie beherzt Nächstenliebe üben, sich mit den Fröhlichen freuen, mit den Traurigen weinen! Dahinter steckt der Heilige Geist, der antreibt, aufscheucht, der neu aufstehen lässt, beflügelt und begeistert!

Nur – wer oder was ist der Heilige Geist? Manch einer mag an eine Taube denken, an eine Friedenstaube womöglich – oder an ein gewaltiges Brausen vom Himmel – oder an ein »stilles, sanftes Sausen«. Im JohEv. gibt es die Stelle: »Der Geist weht, wo er will« – heißt vielleicht: Wir Menschen können den Heiligen Geist nicht fassen, nicht greifen, nicht in Händen halten / wir können ebenso wenig beschreiben, was der Heilige Geist ist – aber: Wir können ihn immer wieder wenigstens ansatzweise erkennen, nämlich an den Wirkungen, an seinen ›Früchten‹, dort, wo er weht, und dort, wo er geweht hat!

Um die Wirkungen des Heiligen Geistes geht es also. Erwarten wir aber ernsthaft (?), dass Gottes Heiliger Geist / dass Gottes heiliges Feuer hier mitten unter uns wirkt, uns gehörig in Bewegung versetzt? / Dass wir ›Feuer und Flamme‹ werden für Gott und Seine Sache hier auf Erden? / Erwarten wir ernsthaft, dass Gottes Heiliges Feuer uns entzündet und uns einheizt zum leidenschaftlichen Einsatz für die Sache Gottes? / Erwarten wir wirklich, dass Gottes Geist uns ganz, ganz viel Mut macht, uns ganz viel Liebe und Herzenswärme für die Mitmenschen schenkt und Humor und Heiterkeit und Schwung und Elan? / Erwarten wir ernsthaft, dass Gottes Heiliger Geist uns hilft, immer wieder neu auf andere Menschen zuzugehen, den ersten Schritt zu wagen, auch wenn es nicht leicht fällt? / Erwarten wir, dass Gottes Geist uns trägt, auch über Ängste und Sorgen hinwegträgt? Dass er uns aufleben lässt, uns beschwingt und neue Flügel verleiht? Rechnen wir damit, dass Gottes Geist neues Leben in uns schafft, neues Leben in unseren Herzen, in unseren Familien und Häusern, in unserer Gemeinde? – Hoffentlich rechnen wir mit Gottes Heiligem Geist! / Hoffentlich beten wir: »Komm, Schöpfer Geist, erleuchte und bewege uns!«

Wir singen vielleicht: »O komm, du Geist der Wahrheit und kehre bei uns ein« – aber meinen wir es auch so? – Viele reagieren misstrauisch und skeptisch, wenn jemand von Wirkungen des Heiligen Geistes in seinem Leben erzählt – oder: wenn jemand voller Freude bekennt: ›Ich hab endlich zu Jesus Christus gefunden! Ich ahne immer mehr, was am Glauben dran ist und welche Kraft im Gebet liegt! Ich weiß es mit Bestimmtheit: Mein Platz ist in der Kirche! Da gehöre ich hin – und Gemeinde: das juckt mich, das reizt mich, da mach ich mit, da bring ich mich ein, und zwar mit Begeisterung und Freude!‹ – Und was dann, wenn solch ein Mitchrist schließlich sagt: ›Lieber Pfarrer, es ist höchste Zeit! Wir müssen darum beten, dass mehr und mehr Menschen das Evangelium erfahren: Gottes froh machende, befreiende, heilsame Botschaft! Unsere Aufgabe ist es, die Hände zu falten, zu beten und auch die Welt ins Gebet zu nehmen!‹

»Meinen Frieden gebe ich euch«, sagt Christus. »Meinen Frieden«, und nicht irgendeinen Scheinfrieden. Keinen kurzlebigen oder faulen Frieden, der mehr verspricht, als er hält. In dein Herz und in deine Seele hinein legt Christus jetzt den Frieden, den du dir selber nicht geben kannst:  den Frieden, »der höher ist als alle Vernunft«! Wer diesen Frieden erfährt? – Nun, der, der Christi Testament beachtet: wer Ihn liebt / wer Sein Wort hält / wer Gott erfreut und wer aus Gottes lebendigem Antriebsgeist heraus handelt. Das musste heute Morgen doch gesagt werden. Amen.

Pfr. Dr. Hans-Gerd-Krabbe