Jubilate

Johannes 16,16.20.22

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Kraft des Heiligen Geistes sei mit uns allen! Amen.

Der Predigttext für den Sonntag »Jubilate« – einzelne Verse aus Joh. 16:

Christus Jesus hat gesagt: »Noch eine kleine Weile, dann werdet ihr mich nicht mehr sehen; und abermals eine kleine Weile, dann werdet ihr mich sehen.

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet weinen und klagen, aber die Welt wird sich freuen; ihr werdet traurig sein, doch eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden.

Und auch ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen.«

Liebe Gemeinde!
Als wir noch Kinder waren, mein Bruder und ich, da gab es vieles, auf das wir uns richtig freuen konnten: auf das Fußballspiel unserer Heimmannschaft Eintracht Nordhorn // auf das Picknick im Grünen nach einer längeren Radtour // auf den Besuch bei unserem Onkel, der uns immer wieder in seine Werkstatt entführte und uns so manches ausprobieren ließ.

Natürlich war da auch die Freude auf den eigenen Geburtstag, auf möglichst große Geschenke – die Freude auf sechs-Wochen-Sommerferien nicht zu vergessen. Schon Wochen vorher stieg die Vorfreude in uns auf …

Verliebte – freuen sich mächtig aufs Wiedersehen, auf den nächsten Kuss und darauf, einander wieder um den Hals zu fallen. Schon die Vorfreude verändert und lässt die Tage vorher ganz anders aussehen!

Erwachsene – sind in der Gefahr, dass die Gottesgabe der Freude in ihnen verkümmert. Erwachsene sind oftmals sehr ernst, nehmen vieles ›tierisch-ernst‹, entwickeln wenig Humor, können kaum noch herzhaft lachen, geschweige denn: über sich selbst lachen …

Vielleicht und hoffentlich geht´s uns anders. Vielleicht und hoffentlich können wir noch herzhaft und herzerfrischend lachen, uns vor Lachen regelrecht biegen und schütteln! Vielleicht und hoffentlich ist unsere Freude alles andere als: aufgesetzte Freude!

Doch wir können es wohl kaum abstreiten: Freude ist bei uns in der Gefahr zu verkümmern und zu ersticken. Zweifel und Skepsis scheinen mächtiger, Misstrauen und Angst erscheinen stärker, Klagen und Hadern liegen uns scheinbar näher als Danken und Loben!

Den anderen kleinreden und schlechtreden, das praktizieren wir häufiger, als dass wir Gutes über den anderen sagen. Wir sind eher geneigt, schwarz zu sehen und negativ zu denken, statt dass wir Optimismus verbreiten und zuversichtlich in die Zukunft blicken. Wen überrascht dies in einer Welt voller Probleme, voller Krisen und Konflikte? / In einer Welt mit so viel Angst und Schrecken? / Wen überrascht dies in einer Welt, in der Menschen leicht genug einen Knacks bekommen, erschüttert und enttäuscht werden und vielleicht noch gerade eben mal ›wieder auf die Beine‹ kommen?

Gott aber – Gott will nicht, dass Angst und Misstrauen, dass Skepsis und Zweifel obsiegen. Gott will nicht, dass wir ohne Freude und ohne Vorfreude leben, ohne Schwung und Elan, ohne Hoffnung und Humor. Gott will, dass wir uns wahrhaft freuen: dass wir uns unseres Lebens und unseres Gottes wahrhaft freuen!

Ja, die Jünger haben Jesu Worte kaum verstanden, damals, als Er sich vor seiner Kreuzigung von ihnen verabschiedete. Sie wussten nicht, was Er meinte, als Er sagte: »Über ein Kleines, dann werdet ihr mich nicht sehen ….« Wohl erst nach Ostern ging ihnen auf, dass Jesus damit die kurze Zeit bis zu seinem Tode und später dann die kurze Zeit zwischen seinem Tode und seiner Auferweckung meinte.

Uns geht es wohl auch so, dass uns oftmals erst viel später die Augen aufgehen und dass wir erst im Nachhinein erkennen: erkennen, dass und wie wohltuend Gott mich geführt, geleitet, bewahrt hat! Das erkenne ich wohl immer erst im Rückblick! – Ein Bibelwort, das ich schon oft gehört, aber noch nie richtig beachtet habe / ein Liedvers kann mir auf einmal schlagartig aufgehen, mich im Innersten treffen und mir wichtig werden, so wichtig (!), dass ich daraus neue Kraft und neuen Mut schöpfe! Ein einziges Bibelwort, ein einziger Liedvers aus dem Gesangbuch kann ausreichen, mein Leben zu verändern und auf ›neue Füße‹ zu stellen!

Auch das andere, das Jesus den Jüngern sagte, werden sie kaum verstanden haben: »Ihr werdet traurig sein, und die Welt wird sich freuen. Doch – eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden!«

›Oden an die Freude‹ anzustimmen, fällt heutzutage nicht leicht und kann sogar wie Hohn klingen. Wir sind wohl eher dürftige Christen in einer dürftigen Zeit, gezeichnet von allem anderen als von großer Begeisterung und von überschäumender Freude. So manches Leben steckt voller Durststrecken, plätschert oberflächlich-belanglos dahin, ohne Höhepunkte.

Viele durchfahren die Strecken ihres Lebens wie Ruderer: sie sitzen mit dem Rücken zur Fahrtrichtung / mit dem Rücken zum Ziel, mit dem Rücken zur Zukunft … Christen dagegen blicken dem Ziel entgegen, hinein in die Zukunft! Was hinter uns liegt, sagen sie, liegt wirklich hinter uns. Nur das Ziel lockt und zieht an, die Zukunft, das Leben mit Gott! Indem sie auf dieses Ziel blicken, steigt ihre Motivation / ihre Begeisterung / ihre Einsatzfreude. Trotz mancher Mühsal / trotz mancher Enttäuschung / trotz mancher Kümmernisse und Traurigkeit: aber sie haben ein Ziel vor Augen, ein Lebensziel, das lohnt: dort wollen sie hin! – Jesus Christus hat gesagt: »Ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen!«

Was unterscheidet wahrhaftige Christen von anderen Menschen? Es ist die Hoffnung, der Glaube, die Freude! Christen haben wahrhaft Grund zur Freude, allem anderen zum Trotz! // Wer in dieser Welt hat denn noch wahrhaft allen Grund zur Hoffnung und zur Freude: wenn denn nicht wir Christen?? // Wer in dieser Welt kann denn noch all den Problemen, all den Enttäuschungen und Traurigkeiten wirklich ins Auge sehen: wenn denn nicht wir Christen in unserer Hoffnung auf den großartigen und barmherzigen Gott und Vater in den Himmeln??

Christen haben wahrhaft allen Grund zur Freude! Sie haben es nicht nötig, Trübsal zu blasen, ständig zu zetern und zu klagen, zu krächzen und zu stöhnen. Sie haben es nicht nötig, im Sinne der drei chinesischen Affen zu leben: ›nichts hören, nichts sehen, nichts tun.‹ Christen können den Mund aufmachen, aktiv werden, sich einmischen und zu Wort melden / sie können auftauchen – wo andere längst abgetaucht sind, resignieren und nur noch feststellen: ›da kann ich doch nichts tun, nichts ändern, nichts bessern …‹ Merken diese Leute, wie sehr sie sich selbst abschreiben und ins traurige Abseits stellen??

Sicher, auch wir Christen leben in dieser Welt, sogar mitten in dieser Welt. Auch wir Christen leben in dieser Welt des Kampfes ums eigene Dasein. Wir erleben Angst, Not und Gefahr / Krankheit, Leid und Tod und Untergang. Aber wir wissen: die Trauer weicht, die Freude steigt auf. Und: Gott will eben nicht, dass wir in dieser Welt mit gesenktem Kopf dahinsiechen, nein, dass wir mit aufrechtem Gang daherkommen und Gott erwartungsvoll entgegenblicken! ›Alles Gute kommt von oben‹, nämlich von Gott! Warum sonst hätte ER Seinen Sohn Mensch werden lassen, kreuzigen lassen und schließlich auferweckt??

Die Bibel ist doch das große Dokument dafür, dass wir allen Grund haben, in wirklicher Vorfreude zu leben: trotz allem, was uns diese Vorfreude nehmen will! Auch wenn es für uns ungewohnt klingen mag: aber diese Vorfreude reicht doch hoffentlich so weit, dass wir uns darauf freuen können, eines Tages zu sterben und bei Gott zu sein! Unser Leben hier auf Erden: mit allem Glück, mit aller Freude, auch mit allem Kummer und mit allem Leid wird einmal ein Ende finden. Doch Gott will, dass dieses Ende für uns ein neuer Anfang wird: »ein neuer Himmel und eine neue Erde« warten auf uns!

Niemand von uns kann sich ›das andere Ufer‹ vorstellen. Und dennoch soll und darf sich jeder von uns darauf freuen, weil Er, dieser Christus Jesus, gesagt hat: »Ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen!«

Also – wir Christen brauchen nicht zu resignieren. Müssen unseren Kopf nicht ›in den Sand stecken‹, komme, was wolle. Wir werden uns einsetzen, Gutes zu tun, wo immer es geht. Die Aussicht auf eine unbeschreiblich herrliche Zukunft, sie spornt uns an.

Mitten in einer Welt mit so viel Schatten, mit so viel Leid und Schrecken dürfen wir glauben und Gott vertrauen / dürfen wir uns unseres Lebens und unseres Gottes immer noch und immer wieder neu: freuen! Gott sei Lob und Dank!

Amen.