Predigt zum Sonntag Oculi, Achern, 4. März 2018: 1. Petrus 1,18-22

Ermüdungserscheinungen im Glauben …,
das Gummiband verliert die Spannkraft, hängt durch, schlafft ab. Da reißt einen nichts mehr vom Hocker, was mit Gott, Glaube und Gemeinde zu tun hat. Man kommt immer weniger zu den Gottesdiensten, faltet immer seltener die Hände zum Gebet. Lebt immer weniger in Ehrfurcht vor GOTT. Interesse an der Bibel? / Lust, die Gebote Gottes zu halten? / Innere Freudigkeit, als Christenmensch zu leben und Gutes zu tun, wo immer es geht? – Machen wir uns nichts vor: Nicht nur Konfirmanden können mit der Bibel immer weniger anfangen – leider! Die Botschaft von der Auferweckung Jesu Christi findet zunehmend weniger Gehör – immer mehr Christen machen immer weniger den Eindruck von höchst aufgeweckten Leuten. Statt von GOTT begeistert zu sein, passen sie sich immer mehr dem Zeitgeist an. Statt vertrauensvoll voranzugehen, schauen sie ängstlich zurück. Statt auf GOTT zu vertrauen, stellen sie ihre Bedenken in den Vordergrund. – Immer weniger Menschen fragen nach GOTT und nach Seinem Willen. Immer häufiger werden christliche Werte ausgehöhlt … Das alles nur zu beklagen, hilft nicht. Was aber fehlt? Um gegenzusteuern? – Was fehlt, ist das innere Feuer / ist die starke Begeisterung, die ansteckt / ist Glaubensfreude und Glaubensheiterkeit – was nottut, das ist Gottes Heiliger Geist, der Menschen tief unten in ihrer Seele anspricht, der sie aus all ihren Verstrickungen emporzieht, ja aufweckt!

Der 1. Petrusbrief, mit dem wir es heute Morgen zu tun haben, will ja nichts anderes als dies: aufwecken / ermutigen / im Glauben konfirmieren, also festmachen und bestärken. Hören wir aus 1. Petrus 1 die Verse 18-22:

»Ihr wisst doch, dass ihr nicht mit vergänglichem Gold oder Silber erlöst seid von eurem nichtigen Wandel …,
sondern mit dem teuren Blut Christi als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes. Ausersehen dazu war Er vor der Grundlegung der Welt, erschienen aber ist Er am Ende der Zeiten, um euretwillen, die ihr durch Ihn an GOTT glaubt, der Ihn von den Toten auferweckt und Ihm die Herrlichkeit verliehen hat. So können sich euer Glaube und eure Hoffnung auf GOTT richten. Im Gehorsam gegenüber der Wahrheit habt ihr eure Seelen rein gemacht, frei für die Liebe unter Brüdern und Schwestern, die keine Verstellung kennt; so liebt denn einander aus reinem Herzen, ohne nachzulassen!«

Von GOTT geliebte Gemeinde!

Christen – was sind das für Leute?
Wenn ihr Konfirmanden darauf antworten sollt, was fällt euch dazu ein? Christen – sind das Menschen, die jeden Sonntag in die Kirche rennen? Die eifrig in der Bibel lesen? Die immer die Devise im Kopf haben: du darfst nicht / du sollst nicht / du musst dies und das tun? Sind das also Leute, die ständig unter Druck stehen, völlig unfrei, ziemlich verkrampft? – Christen, sind das Menschen, die nicht besonders auffallen wollen (›graue Mäuse‹?), die stets auf Harmonie und Ausgleich bedacht sind, die jedem Konflikt aus dem Wege gehen – bieder, brav, ein bisschen naiv und weltfremd?

Der 1. Petrusbrief antwortet da ganz anders!
Christen, das sind Menschen voller Hoffnung, voller Glaubenskraft und voller Tatendrang, voller Schwung und Elan, voller Gebet, voller power! Die tun etwas, die fallen auf, die glänzen mit ihren Taten der Nächstenliebe, die mischen sich ein, die erheben Einspruch, wenn nötig: Widerspruch und entwickeln Zivilcourage! / Christen, das sind Protestanten: Menschen, die protestieren für die Ehre Gottes hier auf Erden, die sich engagieren für ihre Mitmenschen und nicht zuletzt für ›Gerechtigkeit und Frieden, für die Bewahrung der Schöpfung‹! / Christen, das sind Menschen, getragen von GOTT selbst, von der Kraft des Glaubens, der Liebe, der Zuversicht! / Christen, das sind Leute, die haben etwas, was andere nicht haben, aber genauso brauchen – und: die haben etwas zu sagen, was alle hören müssen, was alle angeht! Und: die haben genug zu tun, die werden nie arbeitslos! / Christen – nach unserem Predigttext sind das Menschen, die Bescheid ›wissen‹, die ›sich reinhalten‹ und die ›sich lieb haben‹. Also: Christen, das sind ›Liebhaber‹!

Zum Ersten: Was wissen Christen?
Es fällt auf, dass Christen in unserem Land immer weniger Bescheid wissen und immer weniger Auskunft geben können »von dem Grund der Hoffnung, die in ihnen ist« (vgl. 3,15). Dass sie sich scheuen, vor anderen klipp und klar zu bekennen: ›Jawohl, ich glaube GOTT! Jawohl, ich will als Christ leben. Jawohl, mir sind die Gebote Gottes wichtig.‹ Warum nur diese Angst, warum der rote Kopf, warum diese Menschenscheu? – Muslime, die in unser Land kommen, überrascht und irritiert das oftmals. Sie sprechen offen von ihrem Glauben und leben ihn (fünf Gebetszeiten täglich) – aber wie wenig sprechen wir Christen von unserem Glauben, und wie spartanisch leben wir ihn meisthin! Wie zögerlich, wie verschämt, wie zaghaft in aller Regel! Warum auf einmal nur so schüchtern?

Wie selbstverständlich Christenmenschen von ihrem Glauben reden können, das lässt sich lernen von Mitchristen aus anderen Ländern: aus Südindien etwa oder aus Südkorea. Es beeindruckt, wenn sie sich frühmorgens vor allem Tagewerk erst einmal dem Bibelstudium aussetzen und dem Gebet (morgens erst einmal eine Stunde Bibel und Beten)! Wie selbstverständlich und ganz ungeniert leben sie ganz praktisch aus einem fröhlichen Glauben heraus, pflegen Gebets-gemeinschaft, wenden sich voller Vertrauen an GOTT, den Vater in den Himmeln. Ihre Augen fangen an zu leuchten und zu strahlen. Sie fallen auf, haben etwas zu sagen und werden gehört, auch in der religiös so ganz anders geprägten Gesellschaft ihrer verschiedenen Länder! Christliche Gemeinden dort wachsen! Kann das nicht auch hier unter uns geschehen? Dass wir anfangen, unseren christlichen Glauben munter und zuversichtlich auszuleben?

-/- Da musste sich eine junge Frau und Mutter einer Notoperation im Krankenhaus stellen. Es stand kritisch. Als ich den Mann besuchte, sagte er mir: er überblicke gar nicht, wie viele Leute aus der Gemeinde heraus für seine Frau beten – aber, liebe Leute, ist das denn nicht höchst wichtig, dass wir an einander denken, füreinander beten und einander das auch mitteilen?

»Wisst«,
heißt es da im Predigttext. »Wisst, dass ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöst seid …, sondern mit dem teuren Blut Jesu Christi! … Wisst, dass GOTT Ihn von den Toten auferweckt hat und Ihm die Herrlichkeit gab, damit ihr Glauben habt und Hoffnung zu GOTT!«

Genau das ist´s doch.
Hier doch liegt die Triebfeder unseres Glaubens und Lebens! GOTT hat Christus aus dem Tode auferweckt! »Er lebt, und wir sollen auch leben« (vgl. Joh. 14,19), hineinleben in die neue Welt Gottes! Das ist der Grund unseres Glaubens, unserer Hoffnung, unserer Freude! – Wenn Christen das allerdings nicht mehr wissen, dann werden sie blass, kraftlos, mutlos. Dann fehlt das Entscheidende, der entscheidende ›Kick‹! Dann fehlt der Antrieb. Dann mögen sie ›christlich‹ sein, aber dann müssen sie noch längst keine Christen sein!

Die junge Frau und Mutter verstarb nach knapp einem Jahr. Eine große Trauergemeinde sammelte sich zum Abschied. Die Frau wusste Bescheid über den Ernst ihrer Krankheit, aber sie wusste glücklicherweise auch, ›wohin die Reise geht‹. Dank- und Loblieder sollten gesungen werden und wurden auch gesungen, teils unter Tränen … Wie denn wollten wir Menschen all das Leid aushalten ohne Glauben, ohne Hoffnung?? / Ohne die Gewissheit, in GOTT aufgehoben und geborgen zu sein, in Zeit und Ewigkeit, komme, was wolle? / Ohne das feste Wissen, dass GOTT auferweckt und dass es ein Wiedersehen über den Tod hinaus bei IHM gibt (?), in Seinem Reich, in Seiner Herrlichkeit? – Liebe Leute, christlicher Glaube ist nicht ein bisschen Spekulieren und Für-möglich-Halten / christlicher Glaube ist nicht irgendein theoretisches Geplänkel, letztlich überflüssig, verzichtbar, unnütz, ein Ballaststoff, den man möglichst bald über Bord werfen sollte – nein, christlicher Glaube ist höchst nötig, hat ›Hand und Fuß‹ und muss sich im Alltag bewähren! Eine christliche Gemeinde ist auch kein intellektueller Debattierklub oder eine Volkshochschule unter anderem Vorzeichen – nein, der Glaube von Christen geht ins Eingemachte! Christen wissen, dass GOTT Christus auferweckt hat und dass GOTT sie schon in dieser Zeit aufweckt und nach ihrem Tode ganz anders auferweckt! Hoffentlich also wissen wir´s, hoffentlich beherzigen wir´s, hoffentlich schöpfen wir aus diesem Wissen heraus unsere ach so nötigen Kräfte!

Zum Zweiten: »Haltet eure Seelen rein.«
Auch dies ist ein deutliches Kennzeichen von Christen nach dem 1. Petrusbrief. – Wir sprechen von Umweltverschmutzung – sprechen wir aber auch davon, wie verschmutzt, wie verdreckt möglicherweise unsere Seelen sind? Sprechen wir von Inweltverschmutzung? – Auch Christen verhalten sich verschiedentlich so, dass sie GOTT keine Freude machen / auch Christen werfen gelegentlich mit Dreck, fallen übereinander her, sticheln hintenherum, hacken auf dem anderen herum: der Ungeist dieser Welt macht auch vor Christenmenschen nicht halt! Umso wichtiger der Satz: »Haltet eure Seelen rein!«
Wie das geschehen kann?

Dazu das dritte Kennzeichen von Christen:
»Habt euch untereinander beständig lieb: von Herzen lieb!«
Diesen Wink will ich einfach nur wiederholen: »Habt euch von Herzen beständig lieb.«

Also – Christen, das sind Menschen, die Bescheid ›wissen‹, die ihre ›Seelen reinhalten‹ und die ›sich von Herzen lieb haben‹. Amen.

BETEN

Das ist gar nicht so einfach, HERR: unsere Seelen reinzuhalten und einander von Herzen lieb zu haben. So manche Anfechtung greift nach uns, auch mancher Zweifel. Hässliche Gedanken, böse Vorsätze, teuflische Aktionen: wer von uns wollte sich davon absolut freisprechen? Wie oft denken und reden wir schlecht über andere (statt mit ihnen)! Wie oft hegen wir hinterhältige Vorurteile und richten über andere (meist zu Unrecht)! – Mach uns Mut, HERR, zum offenen, aufrichtigen Gespräch! Befreie DU uns dazu, in Liebe aufeinander zuzugehen, einander die Hand zur Versöhnung zu reichen, den ersten Schritt zu wagen! Nur so können wir gewinnen! Amen.

Pfr. Dr. Hans-Gerd Krabbe