19. August 2013: Pressemeldung via dpa-Berlin

Ein Bekenntniskreis um den badischen Pfarrer Hans-Gerd Krabbe hat den Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) aufgefordert, die »Orientierungshilfe Familie« zurückzuziehen und mittelfristig durch eine neue Handreichung zu ersetzen, die die Kontinuität mit der biblisch-reformatorischen Theologie wahrt und vom unaufgebbaren Leitbild von Ehe und Familie wertschätzend ausgeht.

Die EKD-Schrift relativiere und nivelliere Ehe und Familie zu einer der möglichen Lebensformen neben anderen, sagte Krabbe am Montag in Achern (Ortenaukreis) der Nachrichtenagentur dpa. Der Begriff Ehe sei der Bindung von Mann und Frau vorbehalten, bei homosexuellen Paaren spreche man dagegen von Partnerschaft. Mit der Ausweitung des Ehe- und Familienbegriffs stelle die EKD den Wert der herkömmlichen Ehe und Familie infrage.

Krabbe erklärte, die umfangreiche soziologische Analyse der EKD-Schrift sei gelungen. Fragwürdig sei jedoch die darin eingefügte »theologische Orientierung«, die nicht zuletzt Fragen nach dem Umgang mit Bibel und Bekenntnis, nach deren Bedeutung und Stellenwert eröffne. »Ist es denn nicht Aufgabe der EKD-Führung, für die bewusste Stärkung von Ehe und Familie im herkömmlichen Sinne einzutreten?», heißt es in einem Katalog von Zehn Fragen an den Rat der EKD, den er bereits Ende Juni an die EKD schickte. Dieser Katalog ist Grundlage für eine bundesweit an führende Persönlichkeiten in Kirche und Gesellschaft, in Politik und Wirtschaft ausgerichtete Unterschriftenaktion, die unter anderem von Albrecht Fürst zu Castell-Castell, Christian Fürst zu Bentheim und Steinfurt, Dr. Eberhard Braun (von der Kanzlei Schultze & Braun) sowie dem ehemaligen Bischof der Nordelbischen Kirche, Ulrich Wilckens, getragen wird.

Krabbe wies den Vorwurf zurück, die Augen vor gesellschaftlichen Veränderungen zu verschließen. Er wisse durchaus um die Schwierigkeiten vieler Menschen mit der Ehe, um Patchworkfamilien und gleichgeschlechtliche Paare. Es gehe nicht darum, zu diffamieren und zu diskriminieren. Dennoch solle sich die Kirche nicht zum Vorreiter dieser Entwicklung machen, sondern den Menschen vielmehr Mut für Ehe und Kinder zusprechen. «Immerhin wünschen sich laut Umfragen mehr als 90 Prozent der Deutschen eine solche Lebensform.»

Das Familienpapier hat in den vergangenen Wochen heftige Kritik auf sich gezogen. Unter anderem bemängelten die hannoversche Kirche und die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, dass der Leitbildcharakter der Ehe ungenügend hervorgehoben werde. Der badische Bischof Ulrich Fischer hatte das Papier dagegen begrüßt.19. August 2013: Pressemeldung via dpa-Berlin