Rezension – Badische Pfarrvereinsblätter

Hans-Gerd Krabbe
Christlichen Glauben bekennen – nach dem Apostolicum
Edition Glauben und Leben, Bd. 1, 82 S., 14,90 €, br. , Münster 2016, ISBN 978-3-944804-06-4

Endlich! Darauf haben viele Menschen gewartet: eine Selbstvergewisserung des christlichen Glaubens mit intellektuellem Anspruch. An moralischen Appellen zur Verbesserung der Welt mangelt es in unserer Kirche derzeit nicht. Auch Gefühlswallungen gibt es genügend und manchmal sogar so, dass man sich ihnen nicht entziehen kann. Wie steht es aber um die Lehre unserer Kirche? Wissen die Leute eigentlich, was sie glauben? Oder darf der Verstand keinen Zutritt zur Kirche haben?

Diese Fragen sind in den Gemeinden vor Ort offenbar dringlicher als in den kirchlichen Führungsetagen. Der Kontinuitätsbruch des Christlichen wird vor Ort bewusster erlebt. Also ist es nicht verwunderlich, dass sich ein Gemeindepfarrer aufmacht, den Glauben in seinen Zusammenhängen zu erklären. Der vorgegebene große Zusammenhang ist das Apostolicum. Dem ersten Artikel ordnet unser Kollege im Gemeindepfarramt in Achern den Dekalog zu. Im zweiten Artikel hat das Vaterunser seinen Platz und hilft da zum Verstehen der Osterbotschaft. Der dritte Artikel nimmt Taufe, Abendmahl und Diakonie mit Seelsorge auf.

So wird deutlich: Die Lehre des Glaubens ist ein Geflecht aus vielen einzelnen Lehrstücken. Die Einordnung in dieses Geflecht gibt den einzelnen Lehrstücken wiederum ihre Bedeutung. Krabbe, aus reformierter Tradition kommend, stellt eine Fülle biblischer Zusammenhänge her, aber auch Verweise in das Gesangbuch und zu Theologen von der alten Kirche bis in die Gegenwart. In der Judentumsdiskussion kennt er sich aus, ohne damit dick aufzutragen. Er übergeht nicht die unterschiedlichen Angaben über den Herkunftsort Jesu und erläutert auch die unterschiedliche Zählung der 10 Gebote in der reformierten und der lutherischen Tradition.

Das kleine Büchlein soll – wie im Vorwort vermerkt – Orientierungen und Vergewisserungen bieten, ist also auf die Fragen ausgerichtet, mit denen ich diese Rezension begonnen habe. Sympathischerweise verzichtet der Autor aber auf theologische Besserwisserei, die unsere Gemeindeglieder normalerweise nicht interessiert. Die vielen kritischen Fragen, auf die heutige kirchliche Lehre antworten muss, kommen aus dem Lehrbestand selbst und nicht von außen! Krabbe formuliert sie. Denn die theologische Lehre soll das Glaubensleben tragen; ohne diese Ausrichtung ist sie entbehrlich. Also werden immer wieder einzelne Lehrstücke in seelsorgerischer Redeweise formuliert und mit persönlicher Anrede „per Du“ zur Aneignung empfohlen.

Diese Arbeit ist inmitten anspruchsvoller Gemeindeverpflichtungen entstanden. Ich empfehle sie genau zur Verwendung in solchen. Sie bietet keine ausgefeilten Programmeinheiten. Es ist wie beim Predigen. Man muss jeweils eigene Vorbereitungszeit einsetzen. Dann wächst die Freude an der Aufgabe. So auch bei der Vorbereitung theologischer Gemeindeabende und –seminare. Man kann auf eine Fülle von Material zurückgreifen und zu jedem Lehrstück Fragen aufnehmen, die aus dem Lehrstück selbst kommen und unmittelbar zu einem gebildeten Gespräch führen. Der bewusste Verzicht auf Rezepte gibt die Chance teilnehmerorientierter und situationsangemessener Gespräche.

Kleine kritische Anmerkung am Rande: Es kann nicht ausbleiben, ist sogar wünschenswert, dass Gemeindeglieder in eigenen Gruppen und ohne theologische Begleitung mit dem kleinen Buch arbeiten. Dem sollte dadurch Rechnung getragen werden, dass die biblischen Bücher mit den Namen der deutschen Bibel und nicht mit den wissenschaftlichen Begriffen bezeichnet werden.

Klaus Baschang, Karlsruhe

in:
Evang. Pfarrverein Baden (Hg.): Badische Pfarrvereinsblätter, 3-4/2016, 148-149