Seelsorge

Wie verstehe ich meinen Auftrag für die Seelsorge?
Sigrid Theresia Sasse

Der andere ist das, was meine Liebe aus ihm macht. Und wir sind das, was Gottes Liebe aus uns macht.
Helmut Thielicke

Wir sprechen heute über Seelsorge, über christliche Seelsorge. Sie hat Zugang zu einer Dimension, die über unsere eigene Begrenztheit hinaus weist. Wir dürfen vertrauen, auf die Sehnsucht Gottes nach uns Menschen – an jedem Tag unseres Lebens. Er schenkt uns Lebensfreude und dafür dürfen wir ihn ausgelassen loben.

Daneben hält das Leben jedoch auch anderes für uns bereit. Jeder von uns kennt Situationen, in denen er keinen Boden mehr unter seinen Füßen spürt, Situationen, in denen die Zweifel überwiegen und in denen wir nicht mehr weiter wissen.

Von Sorgen und Leid bleiben wir in unserem menschlichen Leben nicht verschont! Wir müssen sie teilen und mit – teilen, brauchen einen geschützten Raum, indem wir die Möglichkeit haben, unser wahres Gesicht und unsere Furcht vor dem Verlassen sein zu zeigen – im Reden und Schweigen.

Wir als Christen wissen, dass wir mit all unseren Ängsten und Nöten nicht allein sind, dass es jemanden gibt, dessen Friede höher ist als alle Vernunft, der unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus bewahrt.

Gottes Sohn ist den Weg des Leidens für uns alle gegangen.

Diese Überzeugung ermöglicht mir, Seelsorge zu leisten, so wie ich sie verstehe – zugewandt, mit offenen Ohren und offenem Herzen und der Vision, dass mein Gegenüber auch das Licht Gottes in sich trägt und dieses den Weg aus einem tiefen Tal weisen kann. Mir selbst gibt das immer wieder neu die Kraft, Menschen beizustehen.

Ich begreife damit, dass jeder Schritt auf unserem Lebensweg ein bedeutsamer ist, von Gott erleuchtet, auch wenn wir mitunter nur Dunkelheit sehen. Gott selbst setzt an die Stelle der Dunkelheit das Licht, ich muss es nicht selber tun, muss mich nur öffnen und ihm überlassen.

Mancher Beistand mag uns gelegentlich als der sprichwörtliche „Tropfen auf dem heißen Stein“ erscheinen, aber vielleicht ist gerade dieser eine Tropfen ein „Tautropfen“, der lebendige Hoffnung weckt. Dann ist für unsere Seele gesorgt.