Predigt zum Sonntag Reminiscere, 12. März 2017

Christuskirche Achern, Dr. Hans-Gerd Krabbe

EG 281,3 – »soli Deo gloria«

… mit dem heutigen Sonntag beginnt im Reformationsjahr in unserer Kirchengemeinde eine fünfteilige Predigtreihe, die sich mit den reforma-torischen ›soli‹ beschäftigt, da heißt es: ›sola gratia‹ (›allein die Gnade‹) – ›sola fide‹ (›allein der Glaube‹) – ›solus Christus‹ (›allein Jesus Christus‹) – ›sola scriptura‹ (›allein die Schrift‹) und: ›soli Deo gloria!‹ (›allein GOTT gebührt alle Ehre!‹).

Es mag irritieren, dass in verschiedensten Verlautbarungen allein vier reformatorische ›soli‹ ihre Erwähnung finden, nicht aber fünf! Das fünfte Element wird meisthin vergessen – oder übersehen? Um dieses fünfte Element geht´s heute in der Predigt: ›soli Deo gloria!‹ (›allein GOTT gebührt alle Ehre!‹).

Man mag darüber streiten, in welcher Reihenfolge die reformatorischen ›soli‹ genannt werden müssten, also: wer an erster Stelle stehen müsste und wer an den folgenden Plätzen – für mich steht an erster Stelle: ›soli Deo gloria!‹ (›allein GOTT gebührt alle Ehre!‹).

Es war der Genfer Reformator Johannes Calvin, der all sein Denken, Tun und Lassen unter dieses Leitwort stellte: ›soli Deo gloria!‹ Es war Johann Sebastian Bach, der seine Notenblätter mit diesen drei großen Buchstaben zierte: ›SDG‹ / ›soli Deo gloria!‹ Für Calvin wie für Bach bedeutete dieses Kürzel ein Bekenntnis, ein Glaubensbekenntnis, eine Verpflichtung: ›allein GOTT gebührt alle Ehre!‹. GOTT allein zu ehren und zu dienen, das ist die Aufgabe!

Calvin war davon überzeugt: Unsere Aufgabe ist es, GOTT zu ehren, GOTT zu loben und zu preisen, GOTT zu verherrlichen! Das sind wir IHM schuldig. Wir sind es GOTT schuldig, IHN zu ehren! Das ist unsere Bestimmung! GOTT die Ehre, die IHM zusteht, vorzuenthalten: das ist Sünde!

Menschen suchen nach eigener Ehre, wollen von anderen geehrt werden, wollen den Ehrenplatz einnehmen, wollen an erster Stelle stehen. ›Kunde König‹, ›Hauptsache ich!‹, ›ich zuallererst!‹ Die anderen, die können warten, hintenan-stehen, doch ich: ich beanspruche Vorzugsbehandlung! Als ob sich alles um mich drehte, als sei ich das Maß aller Dinge, als müssten alle nach meiner Pfeife tanzen!

Menschen inszenieren sich selbst, setzen sich in Szene und ins rechte Licht, wollen Beachtung finden, stylen sich auf, brezzeln sich auf, legen Wert auf Äußeres, mehr Schein als Sein (?), ja, Kleider machen Leute! Heischen nach Aufmerksamkeit. Das versuchen ja auch Jugendliche, wenn sie als Halbstarke daherkommen wollen, wenn die Jungen vor den Mädchen imponieren wollen.

Menschen wollen wer sein, wollen etwas aus sich machen, wollen sich besser darstellen, als sie sind. Meinen, ihr eigener Herrgott sein zu können oder gar sein zu müssen. GOTT?? Kommt der in ihrem Leben noch vor? Gehören Typen wie Johannes Calvin und Johann Sebastian Bach nicht längst der tiefsten Vergangen-heit an, wenn sie ihre theologischen Werke bzw. ihre Notenblätter bezeichnen-derweise mit dem Kürzel ›SDG‹ versehen, (Sie wissen): ›soli Deo gloria‹! Was soll denn solche Botschaft in unserer Zeit? Wo der Mensch nach Macht, Ruhm, Glanz und Gloria für sich selbst strebt und vieles, sehr vieles, wenn nicht alles dafür tut? Einsetzt, opfert?

GOTT ehren? Was hab ich denn davon?

GOTT ist wohl nicht darauf angewiesen, dass ich Mensch IHN ehre – aber ich bin darauf angewiesen! Ich brauch´s, ich für mich, ich für meine Lebensfreude! Wo GOTT nicht mehr geehrt wird, da verliert der Mensch, da verliert er zuletzt sich selbst. Wo GOTT nicht mehr geehrt wird, da verliert die Menschlichkeit, die humanitas. Da bleiben Menschen auf der Strecke!

Entdecken wir´s denn nicht, was das für Folgen hat, wenn GOTT nicht geehrt wird, wenn sich der Mensch selbst an die Stelle Gottes setzen will, wenn GOTT der Laufpass gegeben werden soll? Wenn Menschen nur noch danach trachten, sich selbst zu beweihräuchern? Entdecken wir´s denn nicht, was das für Folgen hat, wenn der Glaube schwindet, die Nächstenliebe ebenso, wenn nicht mehr gebetet, nicht mehr gedankt wird? Wenn Menschen nicht mehr wissen, wem sie ihr Leben ver-danken mit allem, was sie sind und haben? Wenn Menschen nicht mehr wissen, dass Leben Geschenk ist, Gottes unverdientes Geschenk an uns Menschen?

Wie ist das, wenn Menschen meinen, sie könnten frei nach Gusto tun und lassen, was sie wollen? Wenn Menschen keine Gottesfurcht mehr kennen, keine Demut, wenn ihnen nichts mehr heilig ist? Wohin führt das?

Wie gesagt: GOTT braucht´s nicht, aber ich brauch´s: dieses nämlich, GOTT zu danken, GOTT zu loben, GOTT zu ehren! Mir tut dies in der Seele nur gut!

Also – Johannes Calvin und Johann Sebastian Bach lebten in dieser Maxime, unter diesem Leitwort: ›soli Deo gloria!‹ (›allein GOTT gebührt alle Ehre!‹). Wem denn sonst?

Muss ich etwa an Machthaber erinnern, die sich Macht angemaßt haben, die wie ein GOTT verehrt werden wollten, die Gehorsam und Gefolgschaft einforderten? Muss erwähnt werden, wohin das führt? – »Führe uns nicht in Versuchung«, heißt es in einem weltbekannten Gebet …

Unsere Aufgabe, unsere Bestimmung, nein, unser Vorrecht, Gottes Gnade ist es, dass wir GOTT ehren dürfen mit allem, was wir sind und haben. Mit unseren Gaben und Talenten. Das wussten Menschen vor uns zu schätzen, das steht auch in der Liedstrophe, die wir gleich miteinander anstimmen wollen – EG 281,1:

»Anbetung , Ehre, Preis und Ruhm

sei unserm Gott im Heiligtum,

der Tag für Tag uns segnet!

Dem Gott, der Lasten auf uns legt, doch uns mit unsern Lasten trägt

und uns mit Huld begegnet.

Sollt´ Ihm, dem Herrn der Herrlichkeit, dem Gott vollkomm´ner Seligkeit,

nicht Ruhm und Ehr´ gebühren?

Er kann, er will, er wird in Not

vom Tode selbst und durch den Tod uns zu dem Leben führen!«

Also: Sollte GOTT nicht Anbetung, Ehre, Preis und Ruhm gebühren? Ist denn nicht GOTT zu loben und zu danken ob der Wundertaten, die wir tagtäglich erleben können? Für das wundervolle Geschenk des Lebens? Für alles, was wir unverdient empfangen? Dafür, dass wir unsere Sinne gebrauchen können, Gutes tun können en masse? – »Danke, ach Herr, ich will Dir danken, dass ich danken kann!« Glücklich der Mensch, der so denkt und empfindet! Amen!