Predigt zu Epiphanias, 6. Januar 2017

Christuskirche Achern, 6. Januar 2017, Johannes 1,14-18. Gnade sei mit uns und Friede: von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus! Amen.

Von GOTT geliebte Gemeinde!

Dass es das wird: ein Gnadenjahr des Herrn, darauf mögen wir hoffen / darum mögen wir bitten! Dass Gott uns gnädig begegnet / ja, dass wir aus Seiner Fülle heraus Gnade um Gnade empfangen: das sei jedem von uns geschenkt!

Wenn Gott uns nicht gnädig wäre …, was wäre dann? / Wenn Gott Seine Gnade von uns abzöge / wenn ER uns Seine Gnade nicht Tag für Tag von neuem gewährte: was wäre dann?? Es wäre aus mit uns, aus und vorbei!

Nicht unsere Leistungen und Verdienste sind es, die uns leben lassen / nicht wir selbst sind es, denen wir unser Leben verdanken / nicht wir selbst erhalten uns unser Leben, geschweige denn, dass wir uns selbst ins Dasein rufen: Gott ist es / Gott allein, dem wir unser Leben verdanken mit allem, was wir sind und haben! Alles ist Geschenk, Gottes Geschenk an uns! Aus Seiner Gnade allein heraus leben wir Tag für Tag! »Sola gratia!« (wie es die Reformatoren mit Martin Luther bekannten)!

Wissen Sie noch, wie das erste Wort heute Morgen hier auf der Kanzel lautete? / Erinnern Sie sich? Wer´s noch nicht weiß, jetzt weiß er es:

»Gnade sei mit uns und Friede:

von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus!«

Können wir uns etwas Besseres wünschen?? Etwas Besseres als die Gnade Gottes?? / Können wir uns in besserer Weise begrüßen als: »Gnade sei mit Dir und Friede«? / Können wir jemandem zum Abschied etwas Besseres wünschen als: »Gnade sei mit Dir!«? – Ich wüsste es nicht!

Nicht um Caspar, Melchior und Balthasar geht es heute Morgen in unserem Predigttext (deren Namen in der Bibel ohnehin nicht erwähnt sind) / auch geht´s nicht um die Weisen aus dem Morgenland mit Gold, Weihrauch und Myrrhe – sondern um die Gnade geht´s. Hören wir Worte aus Johannes 1, die Verse 14-17:

»Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.

Johannes (der Täufer) gibt Zeugnis von Ihm und ruft: ›Dieser war es, von dem ich gesagt habe: Nach mir wird kommen, der vor mir gewesen ist; denn Er war eher als ich.

Und von Seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade.

Denn das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.«

Johannes der Täufer bezeugt Ihn / legt Zeugnis von Jesus Christus ab / gilt gewissermaßen als lebendiger Hinweis auf Jesus Christus: ›Er, der nach mir kommt, ist bereits vor mir gewesen. Von Anbeginn der Welt her war und ist Er am Werk. Alles ist durch Ihn erschaffen! Niemand hat Ihn vormals gesehen, bevor Er nicht Fleisch angenommen hat und Mensch geworden ist. Wie ein lebendiger Zeigefinger auf Gott hin, so ging Er über diese Erde. Seht ihr´s denn nicht? / Beachtet ihr ihn nicht, diesen empor gerichteten Zeigefinger auf Gott hin, der sich unübersehbar hier im Chorraum-Fenster unserer Christuskirche findet? / Ist es denn nicht diese Botschaft, die Er an uns weitergibt, die da lautet: Auf Gott sollt ihr hören / Gott sollt ihr beachten / Seinen Willen befolgen? Vergesst IHN nicht, euren Gott / euren Vater in den Himmeln. Haltet euch daran, euer Leben auf IHN hin auszurichten!‹ – Was anderes will uns der Christus Jesus hier im Kirchenfenster sagen? Was jeder einzelne Kirchturm in unserem Land?

Seine Botschaft ist Gnadenbotschaft. Gottes Geschichte vom Anbeginn der Welt an ist Gnadengeschichte. Mit Gottes Gnade hat alles angefangen! Der Regenbogen in den Wolken ist Zeichen für die Gnade Gottes. Die Zehn Gebote: sie sind Ausdruck der Gnade Gottes. Jesus Christus: Er in Person, der leibhaftige Ausdruck der Gnade Gottes! Dass du lebst: nämlich leben darfst, ist Ausdruck der Gnade und der Liebe Gottes. Dass du heute Morgen hier in der Kirche sein darfst, um dich deines Lebens und deines Gottes zu freuen: ist Ausdruck der Gnade Gottes! Dass du Gutes tun kannst, Güte verströmen kannst, ist Ausdruck der Güte Gottes! ›Im Füllhorn Gottes wartet Gnade um Gnade‹ / wartet darauf, dass du diesen Gnadenstrom Gottes anzapfst / dass du in Seiner Gnade lebst und liebst, hoffst und handelst, Freude weckst und Frieden stiftest!

Wenn denn nun GOTT dir gnädig ist: solltest du deinen Mitmenschen gegenüber dann nicht auch gnädig sein?

Ja, aber was ist das denn nun, was mit dem Wort ›Gnade‹ bezeichnet werden soll? – Wir kennen die Redeweise: ›Gnade vor Recht ergehen lassen‹. / Wir wissen, dass der Bundespräsident das Recht hat, einen Straftäter zu begnadigen. / Wir haben womöglich das Wort mit dem drohenden Unterton im Ohr, das da lautet: ›Gnade dir Gott!‹ / Wie ist das, wenn ein Mann bei seinem Vorgesetzten in Ungnade fällt?

›Gnade‹ ist das, was mir Menschen unverdientermaßen zukommt. / Das, was ich nicht verdient habe und mir auch nie verdienen kann. / Das aber, was ich dringend brauche, um überhaupt leben zu können. / Das auch, was meine ›humanitas‹: meine Menschlichkeit, meine Menschenwürde auszeichnet. Denn die Worte: ›Mensch‹, ›Menschlichkeit‹, ›Menschenwürde‹, ›Gnade‹ kreisen gleichsam ineinander, bedingen einander, gehören zueinander. Das Wort ›Gnade‹ gehört zur Definition des Menschen, vor allem und entscheidend aber zur Definition Gottes!

-/- ›Gnade‹ meint mehr, als das Wort ›Glück‹ beinhaltet. Die Gnade sagt nicht: ›Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied‹, weil sie weiß: so geht´s nicht. Solch eine Lebenspraxis führt in die Irre. – Die Gnade sagt auch nicht: ›toi, toi, toi‹ mit drei Klopfzeichen auf den Tisch, weil sie weiß: so verhält sich Aberglaube.

Gnade hat mit Gott zu tun, ist die grundlegende und bestimmende Art Gottes: »Barmherzig und gnädig ist der HERR, geduldig und von großer Güte und Treue!« (Ps. 103,8). Weil das so ist / weil wir allein aus der Gnade Gottes heraus leben, sollen und dürfen wir einander gnädig begegnen, gnädig miteinander umgehen, einander mit Gottesgnade beschenken! Und so ein Leben in Heiligkeit vor GOTT führen!

Gottes Gnade ist Mensch geworden in Jesus von Nazareth: das ist der tiefe Grund des Christfestes, das da auch Weihnachten genannt wird oder Epiphanias. – Gottes Gnade hat diese Welt erschaffen, dich und mich, jede Pflanze, jedes Tier, einmalig, unverwechselbar. – Gottes Gnade verwandelt deine Zweifel in mehr und mehr Gottvertrauen / verwandelt deine Angst und Sorgen in die Gewissheit: ›Einer ist da, der mich hält, der mich auffängt, der mich führt und leitet!‹ – Gottes Gnade lässt dich nicht los, sondern fängt immer neu mit dir an: auf dass du dich deines Lebens und deines Gottes immer mehr freust! Darum wünsche ich dir von Herzen: ›Gnade sei mit dir! Geh hin in Seinem Frieden, leb auf in der Freude Gottes!‹ Amen.