Predigt am 2. Christfesttag 2017

Christuskirche Achern, 26. Dezember 2017

Offenbarung 7.9-12

Weihnachten …: Fest der Familie – Fest des Friedens und der Liebe – der Sehnsucht nach Harmonie, nach echter Freude, nach Wärme, Licht und Glück! Nach strahlenden, funkelnden Augen! Mit solchen Erwartungen / mit solchen Hoffnungen leben wohl wir alle auf Weihnachten zu. »Dass Friede werde!« / ›Dass Freude wachse!‹ / ›Dass Glück keime und sprieße!‹ – Mit Wünschen, mit Träumen, vielleicht auch mit Visionen sind wir hier. ›O wenn doch alle Völker den Frieden suchen, das Kriegsbeil begraben / o wenn doch alle Menschen hier bei uns die Streitaxt weglegen und einander die Hand zur Versöhnung reichen! O wenn doch! O wenn doch Eheleute wieder miteinander reden und den Gesprächsfaden nicht abreißen lassen / wenn Kinder sich ihren Eltern neu zuwenden, weil sie Vater und Mutter brauchen / wenn die Alten sich nicht wie abgeschoben vorkommen müssen: o wenn doch!‹

Nun begegnet uns heute Morgen der Seher Johannes mit seinen Visionen – eine davon hören wir jetzt als Predigttext zum Christfest, aus dem Buch der Offenbarung, Kap. 7, 9-12:

»Danach schaute ich: Und siehe, eine große Schar, die niemand zählen konnte, aus jedem Volk, aus allen Stämmen, aus allen Nationen und Sprachen. Die standen vor dem Thron und vor dem Lamm, bekleidet mit weißen Gewändern und mit Palmzweigen in den Händen.

Und sie rufen mit lauter Stimme: ›Die Rettung steht bei unserem GOTT, der auf dem Thron sitzt, und bei dem Lamm!‹

Und alle Engel standen im Kreis um den Thron und um die Ältesten und um die vier Wesen, und sie fielen vor dem Thron auf ihr Angesicht, beteten zu GOTT und sprachen: ›Amen: Lob, Preis und Weisheit, Dank und Ehre, Macht und Kraft unserem GOTT in Ewigkeit, Amen.‹«

 

Von GOTT geliebte Christfest-Gemeinde!

Hier ist nicht vom Kind in der Krippe die Rede, kein Wort von Maria und Joseph und den Hirten. Hier ist nicht vom »Licht der Welt« (Joh. 8,12) die Rede oder von dem Licht, das die Finsternis erhellt. Hier ist keine Rede von dem Wort, das Fleisch angenommen hat in diesem Jesus von Nazareth. Genauso wenig ist die Rede von einem Stern, der über Bethlehems Stall steht und weithin strahlt und leuchtet …: Was also hat dieser Text aus dem letzten Buch der Bibel überhaupt zu tun mit der Weihnachtsgeschichte ganz am Anfang des Neuen Testaments??

Dazwischen liegt doch ganz gehörig viel anderes, eine ganz beträchtliche Spannung!

›Richtig, vollkommen richtig‹ – möchte ich antworten. Wer denn wollte die Spannung leugnen? Wer könnte vom Kreuz absehen? Wer wollte die Spannung leugnen zwischen der Geburt Jesu, seiner Kreuzigung, seiner Auferweckung, seiner Himmelfahrt bis hin zum Ausblick in die Ewigkeit?? Und dennoch (!): Weihnachtliche Töne in diesen Johannes-Worten sind wohl kaum zu überhören! Hier wie dort, am Anfang wie am Ende klingt ein Leitmotiv wie ein durch-gehender ›cantus firmus‹! »Die Hirten priesen und lobten GOTT für alles, was sie gehört und gesehen hatten!«“ / die Weisen aus dem Morgenland: »sie fielen nieder und beteten an und taten ihre Schätze auf« – nicht zu vergessen: »die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten GOTT und sprachen: ›Ehre sei GOTT in der Höhe und Frieden auf Erden bei den Menschen Seines Wohl-gefallens!‹« – Dieser unbeschreibliche Lobgesang der Engel findet sich am Anfang und: am Ende!

Anfangs die Hirten, die Weisen – aber am Ende (!): da sieht der Seher Johannes ›eine große Schar von Menschen, die niemand zählen konnte, aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Sprachen‹ / eine große Schar von Menschen, die rufen: »Das Heil ist bei dem, der auf dem Thron sitzt: bei unserem GOTT und bei dem Lamm: Jesus Christus!«

Und wir – jeder von uns ist eingeladen und herzlich aufgefordert, mitzusingen / miteinzustimmen / zu bekennen, zu beten und zu hören: »Lob und Ehre und Weisheit / Dank und Preis / Kraft und Stärke sei unserem GOTT von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen!«

»Soli Deo gloria« / ›GOTT allein alle Ehre« – dieser Lobpreis steht gleichsam vor dem Zug durch die Zeit. Schon am Anfang ertönt dieser Jubelruf in der Heiligen Nacht – und mit zunehmender Zeit sollen immer mehr Menschen in diesen Freudenruf miteinstimmen, den die Engel bereits singen!

Wir sind eingeladen und herzlich aufgefordert – und wir haben schon heute (!) hier auf Erden allen Grund, GOTT allein anzubeten, zu ehren und zu verherrlichen! Schon heute (!) – und nicht erst dann, wenn wir alle Leiden / alle Nöte und Schmerzen hinter uns haben / alle Enttäuschungen und Frustrationen / alles Unrecht und alle Lüge dieser Welt. Nicht erst dann, nein, sondern schon heute ist die Stunde da, GOTT zu loben und zu danken und zu feiern!

Es sei deutlich betont: ›Die große Menschenschar, die niemand überblicken noch zählen konnte, aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Sprachen / diese Schar, die GOTT lobt und ehrt …‹: die kommt nicht von einem rauschenden Weihnachtsfest daher! Im Gegenteil: diese Menschen kommen aus großer Trübsal. Sie kennen Unterdrückung und Leiden – aber (!): aber all das, was sie erlebt und erlitten hatten, was sie niederdrückt: all das konnte ihnen das mächtige Gotteslob nicht aus dem Herzen reißen! Denn GOTT selbst hatte ihnen dieses Gotteslob in die Herzen und auf die Lippen gelegt! »Soli Deo gloria!« / ›GOTT allein gebührt Anbetung, Ehre, Preis und Ruhm!« (EG 281,3).

So sieht´s der Seher Johannes voraus – den himmlischen Lobgesang der Engel vom Anfang an in den Ohren. Seine Worte reichen nicht aus, sie sind viel zu dürr, um Gottes Herrlichkeit zu beschreiben oder auch nur anzudeuten. Aber Johannes lebt auf in dieser Vision, in dieser Hoffnung und Sehnsucht – sie zieht ihn gleichsam aus all den Niederungen des Lebens heraus in die Höhe, GOTT entgegen, zu GOTT empor!

Der leicht geöffnete Himmel am Anfang über dem Stall von Bethlehem – dieser Himmel wird sich ganz weit öffnen! Der Lobgesang der Engel: er wird schließlich das ganze All erfüllen! Und die Menschen Seines Wohlgefallens: sie haben ihren Platz gefunden, diesen Platz im himmlischen Festsaal bei GOTT! Weißgekleidet werden sie sein – weiß, weil es das Gottes-Fest der Freude und des Friedens ist, das Fest von Licht und Liebe, das Fest der strahlenden Herrlichkeit Gottes! Unbegreiflich, unvorstellbar, nicht zu fassen, aber wahr: Zu diesem Fest sind wir Menschen eingeladen! ›Der, der auf dem Thron sitzt: unser GOTT – und das Lamm: Jesus Christus: beide wollen feiern: und wir sollen dabei sein!‹ Die Einladung steht, die Einladung gilt dir, seitdem Jesus Christus Mensch geworden ist, uns zugut!

Darum: »Lob und Ehre / Weisheit und Dank / Kraft und Stärke sei unserem GOTT von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen!«

Dr. Hans-Gerd Krabbe