Erhebung von Kirchensteuer auf Kapitaleinkünfte ab dem 1.01.2015

Keine neue Kirchensteuer

Kirchenaustritte sind leider weiterhin zu beklagen – nachdem Banken, Sparkassen, Kreditinstitute
wie Versicherungen ihre Kunden darauf hinweisen, dass sie eventuell (!) anfallende Kirchensteuer auf Kapitalerträge ab dem 1. Januar 2015 automatisch einbehalten werden. Diese Änderung des
Erhebungsverfahrens hat bei vielen Menschen Verunsicherungen ausgelöst und sogar zum Kirchenaustritt geführt. Denn diese Nachricht ging und geht nicht nur an die betroffenen kapitalertragssteuerpflichtigen Gemeindeglieder, sondern ganz allgemein an alle Bankkunden.

Dabei sollte man jedoch wissen und beachten:

  • Es handelt sich keinesfalls um eine neue, zusätzliche Kirchensteuer, da Einkünfte aus
    Kapitalvermögen schon immer einkommensteuerpflichtig waren und damit auch kirchensteuerpflichtig. An der Höhe der bisherigen Kirchensteuer ändert sich rein gar nichts. Mit der ab 2015 gültigen Regelung jedoch wird die Kirchensteuer auf Kapitalerträge jetzt automatisch an die Finanzämter abgeführt, so wie es bei der Einkommenssteuer üblich ist. Die zum Abzug der Kirchensteuer auf Kapitalerträge verpflichteten Institute erhalten vom Bundeszentralamt für Steuern die Religionszugehörigkeit der Steuerpflichtigen elektronisch und verschlüsselt mitgeteilt. Dieses automatisierte Einzugsverfahren vereinfacht die Steuererhebung erheblich. Vorher musste der Steuerpflichtige selbst die Konfessionszugehörigkeit gegenüber der Bank erklären oder die Kirchensteuer in der Steuererklärung angeben.
  • Betroffen ist die Steuer, die für Kapitalerträge, also zum Beispiel für Zinsen von
    Kapitalvermögen, anfällt. Dabei gibt es einen Freibetrag: Solange die Erträge aus dem Kapital unter 801,- Euro (für Alleinstehende) bzw. unter 1602,- Euro (für Ehegatten) bleiben, fallen dafür weder Steuer noch Kirchensteuer an. Für Kapitalerträge, die über diesem Freibetrag liegen, fallen Kirchensteuern an (8 % auf die staatliche Kapitalertragssteuer). Zuviel einbehaltene Steuer wird über die Einkommenssteuererklärung zurückerstattet.
  • Bankmitarbeiter erhalten auch mit dem neuen Verfahren keine Kenntnis über die
    Religionszugehörigkeit ihrer Kunden. Jeder Steuerpflichtige hat trotzdem die Möglichkeit, die Weitergabe seiner Religionszugehörigkeit abzulehnen, muss dann ggf. aber die notwendigen
    Angaben in der eigenen Einkommensteuererklärung selber eintragen.

Eine Musterrechnung:
200.000,- Euro Vermögen erwirtschaften bei einem 1%-Zinssatz 2000,- Euro pro Jahr. Davon sind nach Abzug des Sparerfreibetrags (für Ehegatten) 398,- Euro steuerpflichtig, bei einem Steuersatz
von 25% ergibt dies 99,50 Euro Kapitalertragssteuer – die 8%-Kirchensteuer beträgt somit 7,96 Euro pro Jahr.

Also – bitte nicht (vorschnell) aus der Kirche austreten!

Dr. Hans-Gerd Krabbe
Weitere Informationen finden Sie unter: www.ekiba.de/finanzen