Glocken

Am 3. März 1909 weihte Karl Spitzer die drei Glocken auf dem Kirchplatz.

Am 3. März 1909 weihte Karl Spitzer die drei Glocken auf dem Kirchplatz.

Der Evang. Kirchengemeinderat Achern mit Pfarrer Karl Ludwig Spitzer lud »die Mitglieder der Kirchengemeindeversammlung und der evang. Gemeinde« ein auf Donnerstag, 4. März 1909, nachmittags zur feierlichen Glockenweihe der drei neuen Glocken um 4 ¼ Uhr vor der Christuskirche.

Die evang. Schuljugend nahm die neuen Bronzeglocken um 4 Uhr im »Hauptbahnhof« in Empfang und geleitete sie durch die Hauptstraße hindurch zum Kirchplatz. Die Feier damals endete mit dem Choral: »Großer Gott, wir loben dich!« – Die Glocken waren in der Glockengießerei Bachert in Karlsruhe gegossen worden, der Gesamtbetrag der Rechnung belief sich auf 4.726 Mark (man vergleiche: der Monatslohn eines Arbeiters damals betrug etwa 100 Mark). – Pfarrer Spitzer predigte zum Wort Jeremia 22,29: »Oh Land, Land, Land – höre des HERRN Wort!« – Am 12. September 1909 dann konnte die Christuskirche feierlich eingeweiht werden.

Die F-Glocke

Die F-Glocke, gestiftet von der Familie Heinrich Severin, wog 820 kg und trug die Aufschrift: »So halten wir denn nun dafür, daß der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben!« (Röm. 3,28). Die as-Glocke, ebenfalls gestiftet von der Familie Heinrich Severin, wog 510 kg und trug die Aufschrift: »Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß alle, die an Ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben!« (Joh.3,16). Die c-Glocke, „gestiftet von Seiner Königlichen Hoheit Großherzog Friedrich II. von Baden, wog 240 kg und trug die Inschrift: »Christus ist unser Friede!« (Eph. 2,14). Kriegsbedingt – innerhalb des Ersten Weltkriegs (1914-1918) – hieß es am 7. Juli 1917 von den beiden großen Glocken Abschied nehmen, die dritte Glocke (die Friedensglocke) zog nicht mit hinaus!

Toni Rothmund dichtete damals dazu:

»Nun schweben sie herab von ihrem Firn,
und rüsten sich, im letzten Kampf zu streiten,
Die unser thöricht kleines Menschenhirn
Dort oben fest gewähnt für alle Zeiten …

„O höre Land, Land, Land des Herren Wort!“
So jubelten sie einst mit hellen Zungen.
Weit übers Achertal von Ort zu Ort
Ist wohl ihr nimmermüder Ruf geklungen.

In unsern bangen Sorgen fort und fort
Hat er uns Trost und Mut ins Herz gesungen.
Zu allerletzt noch galt ihr Klang den Wunden,
Der krank am Kriege, Frieden hat gefunden.

„Christus ist unser Friede!“
So tönt der dritten Glocke süßer Klang,
die zieht nicht mit hinaus ins Kampfgebrause.
Die Christusglocke bleibt in Not und Drang,
die kämpft mit uns, den treuen, hier zu Hause.
Bis alle Not von unsern Herzen sprang
singt sie allein und ruft in jede Klause:
„Ob noch so wild der heiße Kampf hinieden,
O seid getrost, Christus ist unser Frieden!“«

Die beiden großen Bronze-Glocken wurden beschlagnahmt und gelangten in die Bleihütte Call in der Eifel.In der dortigen Glocken-Sammelstelle sind sie (wie viele andere Glocken ebenso) vor dem 13. Februar 1919 eingeschmolzen worden, um für Kriegsgeräte umfunktioniert zu werden …

Zwei neue Glocken

Nach Kriegsende sammelte Pfarrer Spitzer für zwei neue Glocken – zwei Sammellisten aus damaliger Zeit befinden sich im Pfarramt-Archiv. Der Liefervertrag mit der Glockengießerei Bachert stammt vom 24. Dez. 1919 und sieht zwei neue Glocken vor: wiederum eine F-Glocke von 820 kg und dem Bibelwort Röm. 3,28 und eine as-Glocke von 510 kg und dem Bibelwort Joh. 3,16. Die F-Glocke wurde erneut von der Familie Heinrich Severin gestiftet, die as-Glocke von Frau Benz-Meisel. Beide Glocken wurden mit 39.900 Mark berechnet. Das Gutachten vom Orgelkommissariat in Karlruhe vom 21. Juli 1920 über die Glockenprüfung am 17. Juli bestätigt: »Die neuen Glocken … sind vorzüglich gelungen.« Am 26. Juli 1920, abends um 6 Uhr wurden die beiden neuen Bronzeglocken von der Schuljugend im Bahnhof eingeholt und anschließend von Pfarrer Spitzer auf dem Kirchplatz geweiht. Dabei wurde ein niederländisches Volkslied zitiert, in der ersten Strophe heißt es: »Wir treten zum Beten vor Gott / der so mächtig, gewaltig und heilig die Kirche regiert / der richtend und rettend, wunderbar und prächtig / aus Nöten und Verfolgung sie huldreich geführt.« – Zum Beschluss der Glockenweihe wurde gesungen: »Großer Gott, wir loben dich!«. Innerhalb des Zweiten Weltkrieges, auf Anordnung der NS-Regierung vom 18.

Friedensglocke

April 1940 – wurden die beiden großen Bronzeglocken am 20. Mai 1942 wiederum zweites Mal beschlagnahmt – allein die kleine Glocke: die Friedensglocke verblieb der Gemeinde. Der Ausbau der Glocken aus dem Kirchturm heraus erfolgte so überraschend-schnell, dass nicht einmal mehr eine feierliche Verabschiedung erfolgen konnte.

Die kleine Friedensglocke gelangte schließlich auf verschiedenen Wegen im Jahre 1964 nach Köndringen und wurde zum Preis von 1.620 DM an die dortige evang. Kirchengemeinde verkauft. Diese, vom Großherzog Friedrich II. im Jahre 1909 gestiftete, kleine Glocke läutet bis heute neben den drei weiteren Glocken in der evang. Kirche in Köndringen (bei Emmendingen)! Sie hat also zwei Weltkriege überdauert und dient der Christenheit bis heute! Am 23. Dez. 1951, am 4. Advent wurden schließlich die drei neuen, bis heute erhaltenen Stahlglocken im Gottesdienst um »1/2 10 Uhr« durch Oberkirchenrat Dürr eingeweiht. Diese Glocken sind auf die Töne G – B – C abgestimmt und in Bochum gegossen worden. Fuhrunternehmer Bürck übernahm damals den Transport. (Die Friedensglocke aus Bronze passte nicht mehr zu den neuen Stahlglocken).

Die größte Glocke: G, die Abendglocke, hat einen Durchmesser von 118 cm und wiegt 820 kg. Sie trägt die Inschrift: »Herr, bleibe bei uns, denn es will Abend werden!« Die zweite Glocke: B, die Vater-Unser-Glocke, besitzt einen Durchmesser von 99,5 cm und wiegt 500 kg. Sie trägt die Inschrift: »Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit!« Die kleinste Glocke: C, die Taufglocke umfasst einen Durchmesser von 89 cm und wiegt 361 kg. Sie trägt die Inschrift: »Lasset die Kindlein zu mir kommen!«

Als alle drei Glocken am 4. Advent 1951 erstmals gemeinsam geläutet wurden, stimmte die Gemeinde das Loblied an: »Nun danket alle Gott!« Oberkirchenrat Dürr (Zitat) »ermahnte die Gemeindeglieder in ernsten Worten, nun auch treu ihrem Ruf zu folgen: des Abends beim Läuten der Betglocke stille zu werden und, wo es sich irgend machen läßt, die Familie zum Gebet zu sammeln. Beim Läuten der Vater-Unser-Glocke in der Kirche sollen auch die Daheimgebliebenen ihre Arbeit unterbrechen oder ihr Radio abstellen und die Hände falten und sich still der Fürbitte der Gemeinde anschließen. Und endlich sollen die Eltern beim Ruf der Taufglocke der ernsten Verpflichtung gedenken, daß sie die Kinder dem Heiland darbringen und sie aufziehen in der Zucht und Vermahnung zum Herrn.« (Ende des Zitats). Der Zeitungsartikel äußert den Wunsch: »Mögen die Glocken nun recht lange im Frieden zum Segen der Gemeinde und zur Ehre Gottes läuten dürfen!« Die »Acherner Zeitung« vom 29. Dez. 1951 vermerkt: »Der Zusammenhang aller drei Glocken ist voll, weich und harmonisch und lässt die Untertöne kräftig mitschwingen.

Auch mit den Glocken der kath. Stadtpfarrkirche stimmen die neuen Glocken gut zusammen …« (Zitat-Ende). Die neuen Glocken von 1951 kosteten 10.200 DM und konnten durch Spendengelder finanziert werden.

Dr. Hans-Gerd Krabbe